Moriche-Palme

Die Morichepalme (Warao: ojiru) wächst normalerweise im Inneren der zahlreichen Inseln, in die der Orinoko das Delta zerschneidet.
Sie ist eine in der Waraokultur traditionell - und in einigen Gebieten des Deltas auch heute noch - vielseitig genutzte Pflanze:

So wird ihre Frucht (Warao: oji) beispielsweise zum Reifen in Wasser gelagert und dann als Beilage gegessen oder es wird ein Saft mit dem Fruchtmark bereitet, der mit Zucker versetzt sehr erfrischend schmeckt und reich an Vitaminen und Fetten ist.

Die vielleicht ureigenste Errungenschaft der Waraokultur ist jedoch die Technik, aus dem Mark des Stammes die Palmstärke (Warao: ojiru amutu) heraus zu waschen, die dann zu Brot gebacken wird.

Außerdem legt ein Käfer (Warao: mo arani) seine Eier in dem morschen Stamm ab, aus denen sich eine Larve (Warao: mo) entwickelt, die sehr fett ist und gut schmeckt.

Aber auch für den wichtigsten Gebrauchsgegenstand der Warao liefert die Morichepalme das Rohmaterial. Aus dem Bast ihrer jungen Triebe drehen die Frauen Seile, aus denen sie Hängematten knüpfen. Und aus eben diesem Bast stellen sie Körbe in Wickeltechnik zum Verkauf an Touristen her.


Stefanie Herrmann
Last modified: Sat Feb 07 18:02:48 Westeuropäische Normalzeit 2004